Medienpädagogik in Kita und GBS – Wozu und wie?

Ein Junge sitzt mit einem Tablet auf dem Schoß auf einem hellblauen Sofa

Der Medieneinsatz ist nicht erst seit der Coronakrise aus Kitas und Schulen nicht mehr wegzudenken. Medien sind auch ein fester Bestandteil der Bildungs- und Erziehungspläne der Bundesländer, etwa in den Hamburger Bildungsempfehlungen für Kitas. In diesen ist die Entwicklung von Medienkompetenz Teil des Bildungsbereichs Kommunikation. Sie empfehlen die Auseinandersetzung mit Medien in der Kita, denn Medien sind Teil der Lebenswelt der Kinder – und das mit all den Herausforderungen und Chancen, die digitale Medien für Kinder mit sich bringen.

Wie wichtig Digitalisierung und damit auch der Medieneinsatz in Kitas ist, zeigt auch das Bundesprogramm Sprachkitas: In den nächsten zwei Jahren ist die Digitalisierung das neue Schwerpunktthema des Programms.

Aber Sie fragen sich jetzt vielleicht: Warum ist es für „meine“ Kinder und Jugendlichen wichtig, dass ich mich als pädagogische Fachkraft mit Medien beschäftige? Was kann ich denn überhaupt erreichen, wenn ich mir das Ziel setze, Kindern oder Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln? Wenn ich mich an kreative Medienprojekte wage?

Das fragen wir eine Expertin: Olivia Förster. Sie ist freiberufliche Medienpädagogin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit kreativen Medienprojekten und der Vermittlung von Medienkompetenzen für eine gesunde Mediennutzung. Sie war als Projektleitung von medienpädagogischen Projekten für Grund- und Schüler der weiterführenden Schulen tätig und hat Fachtagungen zu Frühe Kindheit und Medien organisiert. Darüber hinaus führt sie Projekttage mit Kindern und Jugendlichen, Elternabende, Fortbildungen für Lehrer und pädagogische Fachkräfte durch.
Die pädagogische Arbeit kennt sie aus der Praxis: Sie hat Erfahrungen in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe, als Schulsozialpädagogin und in der Arbeit mit verhaltensauffälligen und als unbeschulbar geltenden Kindern.

Frau Förster, warum ist es wichtig, sich als pädagogische Fachkraft mit Medien zu beschäftigen?

Olivia Förster: Kinderwelten sind heute auch Medienwelten. Als Pädagog*innen haben wir die Aufgabe, Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswelt abzuholen. Wenn wir dieses Themenfeld ignorieren kann es sein, dass wir Glaubwürdigkeit einbüßen oder zumindest die Kinder mit den Herausforderungen der viralen Lebenswelten alleine lassen. Nicht in allen Elternhäusern und Schulen wird über Medien gesprochen.
Genutzt werden sie aber überall. Somit sollten wir Pädagog*innen es nicht verpassen, mit Kindern und Jugendlichen in Dialog über ihr Medienhandeln zu treten. Dafür muss man sich technisch nicht gut auskennen und schon gar nicht besser als die Jugendlichen. Medienpädagogik kann man auch ohne Strom machen, indem man mit den Jüngsten über ihre Medienheld*innen spricht und darüber in Erfahrung bringt, welche handlungsleitenden Themen die Kinder beschäftigen. Im Anschluss können die Medienheld*innen kreativ verarbeitet oder kindgerechte Alternativangebote gemacht werden. Wer das Thema Medien ausklammert, verpasst es die Kinder und Jugendlichen besser kennen zu lernen und in einen fruchtbaren Austausch miteinander zu treten.

Was erleben Kinder und Jugendliche im Netz, wobei ein pädagogischer Umgang hilfreich ist?

Schon die Jüngsten sehen im Fernsehen, auf Netflix oder YouTube Videos, die verstörend sein können. Erwachsene können dabei unterstützen, diese Inhalte zu verarbeiten und kindgerechte Angebote vorzustellen.
Sobald das erste Smartphone in der Tasche ist, kommt es schnell zu Konflikten auf WhatsApp. Fotos werden ungefragt hochgeladen oder weitergeleitet, es kommt zum Ausschluss aus Gruppen oder zu gemeinen Kommentaren. Dies kann sich durch Gruppendynamik schnell zu Cyber-Mobbing entwickeln. Pädagogische Fachkräfte können die Stolperfallen im Vorfeld thematisieren und über Bildrechte aufklären, sowie gemeinsam Regeln für das Miteinander im Internet erarbeiten. Wichtig ist, dass all dies spielerisch und ohne erhobenen Zeigefinger geschieht.
Influencer*innen sind die Stars von heute. Sie verkaufen mit ihrer vermeintlichen Authentizität einen Lebensstil und Produkte, die Kindern und Jugendlichen das Geld aus der Tasche ziehen will. Ein kritischer Blick auf das Geschäftsmodell YouTube oder Instagram kann Kinder und Jugendliche zu medienkompetenten Konsument*innen machen.

Was kann ich als pädagogische Fachkraft erreichen, wenn ich den Umgang mit Medien in meiner Arbeit aufgreife?

Pädagogische Fachkräfte können begleiten, aufklären und spielerisch Verhaltensweisen einüben. Kinder und Jugendliche haben ein sehr großes Bedürfnis über ihre Medienerfahrungen zu sprechen und haben viel Spaß in Medienworkshops. Medienpädagogik bedeutet nämlich nicht nur, über Gefahren aufzuklären, sondern auch Chancen zu nutzen.
Es können kreative audiovisuelle Projekte durchgeführt werden, in denen Inhalte er- und verarbeitet werden. Gleichzeitig wird ein gemeinsames Medienprodukt erstellt. Schließlich wollen Kinder und Jugendliche mitmachen, sie wollen auch Inhalte online stellen, wie die Erwachsenen. Wenn dies pädagogisch begleitet passiert, lernen sie, wie sie dies sinnvoll tun und nicht auf Kosten anderer. Vielleicht gibt es am Ende sogar Likes für das gemeinsame Produkt. Das kann die Gemeinschaft in der Gruppe zusammenschweißen und dient somit gleichzeitig als Cyber-Mobbing-Prävention.

Wie kann ich als pädagogische Fachkraft Kinder und Jugendliche im Umgang mit Medien unterstützen?

Klären Sie sie über Themen wie Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Bildrechte, Cyber-Mobbing und Medienverhalten auf. Für die Kinder und Jugendlichen ist es hilfreich, wenn Sie ihr Medienverhalten nicht von vornerein verurteilen. Stattdessen bieten Sie sich ihnen als vorurteilefreier Gesprächspartner an. Wie beschrieben, bietet die kreative Mediennutzung jede Menge Chancen: Kinder und Jugendliche können sich kreativ ausleben und ausdrücken. Sie lernen, sinnvoll mit Medien umzugehen, werden über problematische Themen aufgeklärt. Und sie erleben, in der Gruppe ein besonderes Medienprodukt zu erstellen. Sie schaffen als Fachkraft damit tolle Gruppenerlebnisse.

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